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AKTUELL

Schwellenrauschen

"Schwellenrauschen" beschreibt einen Zustand des Dazwischen, beschreibt das, was die Exponate der Ausstellung der Künstlerin Anna Charlotte Frevel unter Mitwirkung des Künstlers Maximilian Dörbecker charakterisiert:

Malerei, skulpturale Elemente, installative Setzungen und zeitbasierte Arbeiten treten in einen Dialog und eröffnen ein Gefüge, in dem sich digitale, materielle und biologische Prozesse überlagern; generierte Bildstrukturen werden in Malerei überführt, materialbasierte Arbeiten entwickeln sich aus offenen, teilweise unkontrollierbaren Prozessen, und algorithmisch erzeugte Formationen werden als Fragmente in den Raum übersetzt; Arbeiten die Teil eines  fortlaufenden Prozesses sind, in dem sich analoge und digitale Verfahren, materielle Dynamiken und konzeptuelle Überlegungen gegenseitig durchdringen.

Die Ausstellung der in Münster lebenden Künstlerin zeigt erstmalig im Korbacher Wolfgang-Bonhage-Museum Arbeiten aus unterschiedlichen Werkzusammenhängen in einer gemeinsamen Präsentation, um so deren gemeinsame Fragestellungen in einer räumlichen Konstellation erfahrbar zu machen.  Über die verschiedenen Medien hinweg - Malerei, Skulptur, Installation und zeitbasierte Arbeiten - verbindet Anna Charlotte Frevels Praxis ein gemeinsames Interesse an Form als prozesshaftem, relationalem Gefüge. Unabhängig vom jeweiligen Material oder Medium entstehen die Arbeiten aus Situationen, in denen unterschiedliche Systeme aufeinandertreffen.

In der Malerei zeigt sich dies in der Überlagerung von digital generierten Bildräumen und materiellen Prozessen, in denen sich Bedeutungen verschieben und verunklaren. In den plastischen Arbeiten mit Maximilian Dörbecker wird Material selbst zum formgebenden Moment, dessen Verhalten nicht nur mitgedacht, sondern aktiv zugelassen wird, wobei diese Logik auch in Anna Charlotte Frevels Arbeiten auf algorithmische Prozesse ausgeweitet wird und Form als emergentes Ergebnis relationaler Dynamiken erscheint. Anna Charlotte Frevel ist examinierte Meisterschülerin der Kunstakademie Münster und entwickelte 2024-25 im AI Lab der Vrije Universiteit Brüssel ein künstlerisches Forschungsprojekt zu generativen Wachstumsprozessen. Ihre Arbeiten umfassen Malerei, installative und skulpturale Arbeiten sowie algorithmische Bild- und Formgenerierung. Im Zentrum steht die Untersuchung von Form als Ergebnis dynamischer Wechselwirkungen zwischen biologischen, materiellen und technischen Systemen. Die Arbeit der Künstlerin ist in den vergangenen Jahren in vielfältiger Weise durch Stipendien und Förderprojekte unterstützt worden. Sie hat ihre Kunst in den vergangenen 10 Jahren im mehr als 30 Ausstellungen, u.a. in München, Hamburg, Potsdam, Mannheim, Essen, Brüssel, Los Angeles, Seoul, Treviso präsentieren dürfen.

Wir freuen uns und sind stolz darauf, diese junge, besonders talentierte Ausnahmekünstlerin, deren Arbeiten traditionelle Grenzen der Gegenwartskunst auflösen, unter Beteiligung von Maximilian Dörbecker, in Korbach präsentieren zu dürfen. Die Ausstellung wird durch Klangbilder und Klanginstallationen des Künstlers, Dipl. Tonmeisters, Composers und Sound Director Dr. Max-Lukas Hundelshausen begleitet und dadurch zu einem besonderen audio-visuellen Erlebnis.

Kunstverein Hansestadt Korbach e.V.
Michael Preuße-Song, Joo Song, Kuratoren

Besuch bei Picasso und Wilsberg

Kunstverein reist zur Kunstausstellung nach Münster

Korbach/Münster. Der Korbacher Kunstverein veranstaltet mehrmals im Jahr Exkursionen zu Ausstellungen bekannter Künstler, die sehr beliebt und meist schnell ausgebucht sind. In der vergangenen Woche ging es nach Münster zu Picasso und Kirchner im LWL Museum, eine beeindruckende Ausstellung.

Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) und Pablo Picasso (1881–1973) wurden nur ein Jahr nacheinander geboren, und beide gelten heute als zentrale Vertreter der Moderne. Sie sind einander nie persönlich begegnet, doch gibt es überraschende Parallelen oder Ähnlichkeiten, die beide zu ihren Lebzeiten nie wahrhaben wollten.

Die Ausstellung ist geprägt durch eine große Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen und Techniken. In über 100 Gemälden werden die Gemeinsamkeiten und Gegensätze der beiden Künstler dargestellt. Sie zeigen sich als Zeitzeugen einer neuen Epoche und erzählen von Aufbruch, Krisen und Leidenschaft. Porträts, Selbstporträts, aber auch Motivkomplexe wie der menschliche Körper in unterschiedlichen Kontexten sind dabei. Gerade die Schnittmengen in Themen wie Tanz und Musik bis hin zu Varieté- und Zirkus-Darstellungen, zeigen die tiefgreifenden Stilwandlungen beider Künstler besonders auf. Dies gilt in ähnlicher Weise für ihre Porträts, die sich gerne ihren jeweiligen Lebenspartnerinnen widmeten. Hier werden unterschiedliche Ausdrucksformen verwendet und typische Erkennungsmerkmale eingearbeitet. Dazu ist die künstlerische Selbstreflexion eine zentrale Konstante im Schaffen beider. Während Picasso für seine Selbstbildnisse häufig einen „Alten Ego“ wie beispielsweise den Minotaurus entwickelte sowie die Fotografie mit einbezog, spiegelte Kirchner sich und sein Ringen mit konfliktreichen Lebenssituationen und mit seiner psychischen wie physischen Gesundheit wesentlich direkter.

Nach einer interessanten Führung mit viele Hintergrundinformationen zu beiden Künstlern durch das Museum gab es noch genügend Zeit zum Verweilen in der sehenswerten Stadt: historische Gebäude, eine unendliche Zahl von Kirchen, massenweise Studenten in den Straßen, ein sehenswerter Markt und auch ein Abstecher zum Antiquariat, wo die bekannte Fernsehserie Wilsberg gedreht wird.

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